Nahaufnahme eines Grasfroschs, der im Gras sitzt

Ein Bach wird wieder wach: Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein holt Wasser zurück auf die Wiese

Kooperations-Ökokonto verbindet privates Flächeneigentum mit mehr Raum für die Natur im Stiftungsland Sophienhof

 

Wo das Wasser bislang unbemerkt und unsichtbar durch ein Rohr unter der Erde fließt, soll es künftig wieder plätschern: die Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein, eine 100-prozentige Tochter der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein startet Ende September mit der ökologischen Aufwertung einer rund sechs Hektar großen Fläche im Stiftungsland Sophienhof in der Gemeinde Schellhorn im Kreis Plön. Dabei wird ein verrohrter Bach geöffnet und zu einem naturnahen Bachlauf entwickelt.
Das Besondere: Die Fläche gehört weiterhin den privaten Eigentümer*innen. Im Rahmen eines Kooperations-Ökokontos stellt Gut Sophienhof sie für 30 Jahre für die ökologische Aufwertung zur Verfügung. Die Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein plant und realisiert die Naturschutzmaßnahmen. Das Kooperationsmodell ermöglicht damit zusätzlichen Naturschutz auf Flächen, ohne dass deren Eigentümer*innen ihr Land verkaufen müssen.

Die Ausgangslage: Durch das langgezogene Grünlandtal verläuft heute über weite Strecken eine unterirdische Rohrleitung, lediglich ein kurzer Abschnitt ist als offener Graben erhalten. Das soll sich nun ändern. Das Rohr wird geöffnet und das Wasser soll künftig wieder oberirdisch durch das naturnah gestaltete Bachbett fließen.

Wasser soll in der Landschaft bleiben

Dabei geht es um mehr als nur einen neuen Bachlauf. Das Wasser, beispielsweise nach ergiebigen Regenfällen, soll künftig möglichst lange in der Fläche gehalten werden und damit auch die umliegenden Wiesen feuchter machen.

Am unteren Ende des neuen Bachlaufs legt die Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein deshalb eine sogenannte Sohlgleite aus Steinen an. Sie bremst den Wasserabfluss und sorgt dafür, dass der wieder aufgetauchte Bach sich über die Fläche schlängeln kann.

Zusätzlich werden Drainagen, die von den seitlichen Hängen in das Tal führen, geöffnet beziehungsweise gekappt. „Wir holen hier nicht einfach nur einen Bach zurück ans Tageslicht. Wir geben dem Wasser wieder Raum in der Landschaft“, erklärt Ann-Kathrin Brandt, Maßnahmen-Managerin von der Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein. „Davon profitiert das gesamte Grünlandtal: es wird feuchter und vielfältiger und bietet dann auch vielen seltenen Tieren und Pflanzen künftig einen neuen Wohlfühlort.“  

Feuchte Füße ausdrücklich erwünscht

Durch den sich durch das Tal schlängelnden Bach und seine natürliche Steinbremse, bilden sich im Sommer – fast wie von selbst Lebensräume für Amphibien wie Grasfrosch und Kammmolch. Aber auch Vögel wie der Neuntöter und die Goldammer fühlen sich dort wohl und finden einen reich gedeckt Insektentisch. Ein erster Schritt hin zu dieser idyllischen Landschaft leitete Brandt schon im vergangenen Winter ein. An den Hängen wurden Buchen, Eichen und Linden gepflanzt. Die bislang als Acker genutzten Bereiche sollen sich langfristig zu einem naturnahen Laubwald entwickeln.

So entsteht Stück für Stück eine vielfältige Landschaft aus feuchtem Grünland, naturnahem Bachlauf gesäumt von heimischem Laubwald.

Die Bauarbeiten am Bachlauf dauern voraussichtlich sechs bis sieben Tage.

Was ist ein Kooperations-Ökokonto?

Bei einem Kooperations-Ökokonto bleibt die Fläche im Eigentum der Flächeneigentümer*innen. Die Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein pachtet sie für 30 Jahre und schließt mit den Eigentümer*innen einen Kooperationsvertrag. Gemeinsam wird festgelegt, wie die Fläche ökologisch aufgewertet wird. Für die Bereitstellung ihrer Flächen erhalten die Eigentümer*innen eine vertraglich vereinbarte Vergütung. Die Stiftung bzw. ihre Tochtergesellschaft, die Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein kümmert sich um Planung, Genehmigungen, Umsetzung der vereinbarten Maßnahmen, sowie um das dauerhafte Monitoring. Möchten die Eigentümer*innen ihre Flächen weiterhin selbst bewirtschaften, kann zusätzlich ein Nutzungsvertrag geschlossen werden. Die Bewirtschaftung erfolgt dann entsprechend der für das Ökokonto vereinbarten Vorgaben.