Erdarbeiten mit einem gelben Bagger am Oldenburger Graben auf einem freigeräumten, erdigen Gelände mit aufgeschütteten Erdhaufen im Hintergrund

Mehr Platz für Vögel, Frösche und Vielfalt im Stiftungsland Oldenburger Graben

Fünf Hektar Intensiv-Acker verwandeln sich in Vielfalts-WG

 

Aus braunem, intensivem Ackerland wird in den kommenden Monaten ein quirlig-buntes, neues Zuhause für seltene Vögel, Insekten und Frösche. Anfang September startet die Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein, eine 100-prozentige Tochter der Stiftung Naturschutz Schleswig-Holstein mit der ökologischen Aufwertung einer knapp fünf Hektar großen Ackerfläche am Oldenburger Graben – der Region zwischen Weißenhäuser Strand und Dahme im Kreis Ostholstein. Dort entsteht eine quirlig-wildbunte Landschaft.

Die Arbeiten dauern voraussichtlich rund eine Woche. Mit Baggern werden zunächst mehrere Testbohrungen gemacht, um herauszufinden, ob sich die Bodenbeschaffenheit zur Anlage von flachen Teichen für den europaweit streng geschützten Moorfrosch eignet. Verläuft der Test gut, werden zwei flache Teiche angelegt. Sie sollen dann sowohl neuer Wohlfühlraum als auch Laichgewässer für Moorfrosch und Kammmolch werden. Auch die Ringelnatter soll von der neuen Vielfalt profitieren.

Vom Acker zur wildbunten Weide

Nach den Erdarbeiten wird die bisherige Ackerfläche mit einer wildbunten, heimischen Saatmischung aus Margerite , Flockenblume und Ruchgras eingesät. Auf diese Weise entsteht dort ein artenreiches Dauergrünland. Wann genau die Ansaat erfolgt, entscheidet das Wetter – möglicherweise erst einige Wochen nach Abschluss der Bauarbeiten.

Im kommenden Jahr folgt dann der nächste Schritt: Der neue wildbunte Lebensraum wird mit der benachbarten, schon verwandelten Vielfalts-Wiese verbunden und beide sollen gemeinsam beweidet werden. Die vierbeinigen Rasenmäher – eine Herde Rinder – sorgen dafür, dass das Grünland nicht wieder zuwuchert.  

Besonders im Auge hat die Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein bei diesen Maßnahmen die Feldlerche. Der einst typische Vogel der offenen Kulturlandschaft braucht weite, übersichtliche Flächen mit niedriger und lückiger Vegetation, in denen er am Boden brüten und ausreichend Nahrung finden kann.

„Mit vielen buntblühenden Wildpflanzen, Teichen und umherschwirrenden Insekten entsteht hier ein artenreicher, neuer Lebensraum. Und mit ein bisschen Glück singen hier schon im kommenden Frühjahr die ersten Feldlerchen“, hofft Maßnahmen-Managerin Ann-Kathrin Brandt von der Ausgleichsagentur Schleswig-Holstein.

Naturschutz beginnt, bevor der Ausgleich gebraucht wird

Die Maßnahmen sind Teil des Ökokontos „Oldenburger Graben 8“. Bei einem Ökokonto werden geeignete Flächen bereits im Vorfeld ökologisch aufgewertet. Die erreichte Aufwertung wird in Ökopunkten gutgeschrieben, die später für konkrete Eingriffe in Natur und Landschaft als Ausgleich eingesetzt werden können.

Damit beginnt die Entwicklung neuer Lebensräume nicht erst dann, wenn ein konkreter Eingriff ausgeglichen werden muss: Pflanzen und Tiere bekommen einen zeitlichen Vorsprung – und die Natur kann sich bereits entwickeln.